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„Dann lande ich im Heim“: Lucas-Reel löst Debatte um Merz-Sparpläne aus

Symbolbild · KI-generiert

„Dann lande ich im Heim“: Lucas-Reel löst Debatte um Merz-Sparpläne aus

In einem viralen Instagram-Reel warnt Lucas vor den Merz-Sparplänen. Konkret beschlossen ist noch nichts — der bisherige Rechtsstand gilt weiter.

⏱ 4 Min Lesezeit

„Dann landen Leute wie ich im Heim.“ — Lucas in seinem viralen Instagram-Reel

Lucas, ein junger Rollstuhlfahrer aus Berlin, der auf persönliche Assistenz angewiesen ist, hat mit seinem Instagram-Reel eine gesellschaftliche Debatte angestoßen. Tausende reagierten auf sein Video, in dem er auf die geplanten Kürzungen der sogenannten Merz-Regierung eingeht. Lucas berichtet darin nicht nur über seinen Alltag mit mehreren Assistenten, sondern auch über die Angst, bei Kürzungen oder Streichungen dieser Unterstützung in ein Heim ziehen zu müssen. Jasko, einer seiner persönlichen Assistenten, unterstützt ihn dabei im Alltag. Sein Satz „Der Staat diskutiert gerade aktiv darüber, Jaskos Job abzuschaffen“ macht deutlich, wie existenziell das Thema für viele ist. Während er im Podcast von Sängerin Nina Chuba ausführlich schildert, wie persönliche Assistenz ihm ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht, wird klar: Die aktuelle politische Debatte trifft Lebenswelten direkt.

Wer aktuell von den Regeln betroffen ist

  • Menschen mit schweren körperlichen Behinderungen, die auf persönliche Assistenz im Alltag angewiesen sind
  • Rollstuhlfahrende mit individuellem Unterstützungsbedarf bei Grundpflege und Mobilität
  • Menschen mit Cerebralparese oder anderen komplexen chronischen Erkrankungen
  • Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, die Schul- oder Freizeitassistenz benötigen
  • Erwachsene mit Anspruch auf Teilhabeleistungen nach SGB IX, insbesondere im Bereich ambulante Unterstützungsdienste
  • Familien, deren Angehörige persönliche Assistenz in Anspruch nehmen (z.B. Pflege oder Alltagsbegleitung)
  • Assistent:innen im Bereich Persönliches Budget oder Assistenzdienst

Der aktuelle Rechtsstand

Die rechtliche Grundlage für persönliche Assistenz und das Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderung findet sich im Neunten Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX). Im geltenden Recht wird Menschen mit Behinderung zugesichert, dass Sie selbst entscheiden können, wie sie leben und welche Assistenz sie benötigen. Das Wunsch- und Wahlrecht (§ 8 SGB IX) ermöglicht es Betroffenen, zum Beispiel persönliche Assistenz im eigenen Zuhause zu wählen, statt auf stationäre Einrichtungen angewiesen zu sein. Auch das Persönliche Budget (§ 29 SGB IX) ist ein zentrales Instrument, um individuelle Assistenzleistungen flexibel einzukaufen und nach Bedarf zu gestalten.

Die Kostenträger … sind dazu verpflichtet, die Wünsche der Leistungsberechtigten zu berücksichtigen, sofern sie nicht im Einzelfall mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden sind.

Rechtlicher Hintergrund zum Wunsch- und Wahlrecht

Das Bundessozialgericht hat in den vergangenen Jahren mehrfach entschieden, dass die selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderung prioritär zu sichern ist – insbesondere wenn eine Unterbringung in stationären Einrichtungen nicht dem Wunsch der Betroffenen entspricht. Entscheidungen dazu stützen sich auf die UN-Behindertenrechtskonvention, die in Deutschland verbindlich ist.

Die aktuelle politische Debatte

Im Frühjahr 2026 wurde ein internes „Vorschlagsbuch“ bekannt, das mehr als 70 Sparmaßnahmen der Regierung Merz auflistet. Darunter sind auch drastische Kürzungen bei Leistungen für Menschen mit Behinderung, etwa beim Wunsch- und Wahlrecht und bei Assistenzleistungen.

Mehrere Akteure äußerten sich hierzu:

  • Die Konferenz der Beauftragten des Bundes und der Länder für Menschen mit Behinderungen (KBB) forderte in einem Positionspapier im Juni 2026, dass zentrale Teilhaberechte wie das Wunsch- und Wahlrecht „nicht verhandelbar“ seien.
  • Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisierte, die Debatte werde „im Verborgenen“ geführt und treffe Millionen Menschen unmittelbar, darunter Kinder mit Schulbegleitung und Menschen, die auf persönliche Assistenz angewiesen sind.
  • Lucas selbst setzt mit seinem viralen Instagram-Reel ein Zeichen und warnt, dass viele Betroffene ohne Assistenz im Heim landen würden.
  • Die politische Diskussion ist offen, konkrete Gesetzesentwürfe zu den Kürzungen liegen zum Stand Juni 2026 noch nicht vor.

Praxisteil — was Betroffene jetzt tun können

Wer auf persönliche Assistenz oder Teilhabeleistungen angewiesen ist, sollte die Entwicklung aufmerksam verfolgen und aktuell bestehende Ansprüche durchsetzen.

  1. Prüfen Sie regelmäßig Ihre aktuellen Bewilligungsbescheide auf Veränderungen bei den Assistenzstunden oder Leistungspauschalen.
  2. Bei gekürzten oder abgelehnten Leistungen ist es wichtig, fristgerecht (meist binnen eines Monats nach Zugang des Bescheids, vgl. § 84 SGG) Widerspruch einzulegen.
  3. Dokumentieren Sie Ihren individuellen Bedarf, zum Beispiel mit Nachweisen über die Notwendigkeit von Assistenz im Alltag, Attesten oder Unterstützungsplänen.
  4. Lassen Sie sich von fachkundigen Beratungsstellen unterstützen – erste Anlaufstellen sind Sozialverbände (wie SoVD oder VdK), Wohlfahrtsverbände (wie Paritätischer, Caritas, Diakonie oder AWO) und spezialisierte Migrations- und Teilhabeberatungen.
  5. Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen oder Selbstvertretungsgruppen aus, um auf politische Entwicklungen schneller reagieren zu können.

Hinweis: Lucas hat durch seine öffentliche Positionierung und die Zusammenarbeit mit Nina Chuba das Thema einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sein Beispiel zeigt, wie individuelle Geschichten politische Prozesse beeinflussen können.

Quellen und weiterführende Informationen

Instagram-Reel von Lucas zum Merz-Sparpaket und persönlicher Assistenz https://www.instagram.com/p/DZLCWVVOZt-/?utm_source=ig_embed&utm_campaign=embed_video_watch_again

Sozialverband Deutschland (SoVD) – Beratungsangebote und aktuelle Infos https://www.sovd.de/

§ 8 SGB IX – Wunsch- und Wahlrecht https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__8.html

§ 29 SGB IX – Persönliches Budget https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__29.html