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Eigenanteil für Heimbewohner erreicht Rekordhöhe von 3.245 Euro im Monat

Eigenanteil für Heimbewohner erreicht Rekordhöhe von 3.245 Euro im Monat

Die monatlichen Eigenanteile für Pflegeheimbewohner sind auf neue Rekordhöhen gestiegen – 3.245 Euro im ersten Jahr. Wer jetzt im Heim ist, zahlt deutlich mehr als noch 2025.

DO Dipl.-Des. Daniel C. Osakwe Herausgeber & Redaktion 31. Mai 2026 ⏱ 3 Min Lesezeit

Steigende Heimkosten belasten Pflegebedürftige und ihre Familien wie selten zuvor. Im ersten Jahr im Pflegeheim liegt der durchschnittliche Eigenanteil jetzt bei 3.245 Euro monatlich – ein Plus von 261 Euro gegenüber dem Vorjahr. Die finanziellen Spielräume der Betroffenen werden damit erneut spürbar enger.

Eigenbeteiligung steigt auf 3.245 Euro im Monat

Wer Anfang 2026 ins Heim zieht, zahlt im Bundesdurchschnitt so viel wie nie zuvor: 3.245 Euro im Monat muss jeder Bewohner im ersten Aufenthaltsjahr selbst aufbringen. Damit wurden die Kosten innerhalb eines Jahres um neun Prozent teurer – zuletzt hatten sie im Sommer 2025 erstmals die 3.000-Euro-Marke überschritten. Ein Ende der Preissteigerungen ist nicht in Sicht.

Haupttreiber sind gestiegene Pflegepersonalkosten. Auch für Unterkunft, Verpflegung, Investitions- und Ausbildungskosten müssen Heimbewohner weiter tiefer in die Tasche greifen. Die Pflegekassen steuern Zuschüsse bei, die allerdings nicht ausreichen, um die Belastung spürbar zu begrenzen.

Zusammensetzung der Kosten: Pflege, Unterkunft, Investitionen

Der Eigenanteil im Heim besteht aus mehreren Teilen:

  • Pflegerische Kosten inklusive Ausbildung: 1.685 Euro pro Monat im ersten Jahr
  • Unterkunft und Verpflegung: 1.046 Euro monatlich
  • Investitionskosten: Je nach Bundesland unterschiedlich hoch, im Schnitt im mittleren dreistelligen Bereich

Seit 2022 steigt der Zuschuss der Pflegekasse mit der Aufenthaltsdauer: 15 Prozent im ersten Jahr, 30 Prozent im zweiten, 50 Prozent im dritten und 75 Prozent ab dem vierten Jahr. Doch selbst diese Zuschüsse – etwa 890 Euro monatlich im Durchschnitt – konnten den deutlichen Anstieg nicht stoppen.

Ende 2025 lagen die Gesamtkosten für einen Heimplatz erstmals über 5.000 Euro im Monat. Die Pflegeversicherung zahlte davon rund 1.539 Euro, dazu kamen die gestaffelten Zuschüsse. Unterm Strich blieb für die Bewohner nach Abzug dieser Leistungen eine durchschnittliche Belastung von 2.605 Euro monatlich – mit deutlichen Ausschlägen je nach Bundesland.

Regionale Unterschiede und Forderungen nach Reform

In Nordrhein-Westfalen lag die Eigenbeteiligung Ende 2025 bei knapp 2.970 Euro, in Sachsen-Anhalt bei 2.111 Euro pro Monat. Besonders hoch fallen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung in westdeutschen Großstädten aus. In Sachsen-Anhalt dagegen müssen Heimbewohner trotz der niedrigeren Kosten mittlerweile 2.720 Euro pro Monat stemmen – das sind 277 Euro mehr als noch Anfang 2025.

Die durchschnittliche Brutto-Altersrente liegt laut Auswertungen deutlich unter diesen Beträgen. Viele Pflegebedürftige erhalten weniger Rente, als sie allein für ihren Platz im Heim zahlen müssen. Sozialminister und Sozialverbände fordern deshalb seit langem eine grundlegende Reform. Diskutiert wird etwa, dass Länder künftig Investitions- und Ausbildungskosten komplett übernehmen – das würde Heimbewohner um bis zu 640 Euro im Monat entlasten. Auch eine Pflegevollversicherung steht derzeit im Raum.

Für wen die steigenden Eigenanteile zum Problem werden

Die Eigenanteile treffen vor allem jene, die heute oder in naher Zukunft auf einen Platz im Pflegeheim angewiesen sind. Wer schon lange im Heim lebt, profitiert von den steigenden Zuschüssen nach Aufenthaltsdauer – hier sinkt die Eigenbeteiligung ab dem dritten und vierten Jahr deutlich. Allerdings sind die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen überall weiter im Aufwärtstrend. Bewohner mit mittlerer und längerer Aufenthaltsdauer zahlten zum Jahreswechsel 2025/26 trotz Zuschüssen noch immer deutlich mehr als in den Vorjahren.

Wer die Eigenanteile nicht mehr bezahlen kann, muss häufig auf Sozialhilfe zurückgreifen. Auch Pflegeheime selbst geraten dadurch zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten, weil Zahlungsrückstände wachsen – nicht selten wird mit individuellen Stundungsvereinbarungen improvisiert, wie betroffene Einrichtungen berichten.

Politische Debatte um die Finanzierung der Pflege

Die Forderung nach einer solidaren Lösung wird lauter. Diskutiert werden verschiedene Modelle, etwa der sogenannte Sockel-Spitze-Tausch: Der Eigenanteil würde gedeckelt, alle weiteren Kosten übernähme die Pflegeversicherung. Kritiker halten solche Lösungen für kaum finanzierbar.

Offen ist, ob und wann Bund und Länder eine neue Pflegereform beschließen. Bis dahin bleibt klar: Die Eigenanteile im Pflegeheim kannten in den letzten Jahren nur eine Richtung – und der Druck auf Pflegebedürftige und ihre Angehörigen wächst weiter.

Redaktioneller Hinweis: Wer Unterstützung bei der Finanzierung eines Pflegeheimplatzes benötigt, sollte sich individuell beraten lassen, zum Beispiel bei Sozialverbänden und Pflegestützpunkten.